Opa Luscheskowski wo bist du nur geblieben?

Veröffentlicht: 4. Juni 2010 von juetty in Sonstiges gefährliches Gedankengut
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Die Geschichte mit mir und dem RWE wurde quasi schon mit meinem ersten Besuch des Westfalenstadions dingfest gemacht. In meinen ersten 10 Lebensjahren hatte ich zwar schonmal irgendwann etwas von der Freundschaft zwischen dem BVB und dem RWE gehört, wirklich präsent war mir der Verein von der Hafenstraße jedoch nicht. Dies sollte sich aber an dem Frühlingsabend im Jahre 1994 ändern.  Während der BVB gegen den VfB aus Stuttgart mit 2:1 verlor, spielte der RWE im Halbfinale des DFB-Pokals gegen TeBe Berlin und zog durch einen 2:0 Sieg ins Finale ein. Dies war für die mir gegenüberliegende Südtribüne das einzige Freudige Ereignis des Tages, welches auch mit diversen RWE-Gesängen gefeiert wurde.  Und obwohl die Freundschaft zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr so ganz intakt war, gab mir die Süd an dem Tag die Weisung „RWE ist auch gut!“ mit auf den Fanweg.

Und schon im darauf folgenden Finale gegen Werder Bremen, welches die gerade in die 3. Liga abgestiegenen Essener verloren, konnte ich vorzüglich mit dem RWE mitleiden. (Damals war mir Klassenunterschied noch total Schnuppe und der Glaube an Fußballwunder noch ungebrochen) . Der Todesstoß zum 3:1 durch Wynton „Kiwi“ Rufer in der 88. Minute hätte mich doch um ein Haar zum weinen gebracht…

In den darauffolgenden Jahren gab es für mich vom RWE leider nicht allzuviel zu Erfahren. Abgesehen von einer Zweit- und einer Viertligasaison dümpelte man in in der 3. Liga rum und verschwand dadurch größtenteils aus Funk und Fernsehen. Aber Montagmorgenliche Blick in die Zeitung und auf die Regionalligaergebnisse gehörte zum Standardprogramm.

Erst als es Ende des Jahrtausends mit selbstständigen Stadienbesuchen losging, rückte der nie vergessene RWE wieder mehr in den Blickpunkt. Mit befreundeten Essenern ging es dann und wann mal an die Hafenstraße, welche für mich einen gewaltigen Charme hatte. Besonders bei Flutlichtspielen ging da richtig die Luzi. Lothar intonierte auf der Stange den „Schreck vom Niederrhein“, die Zusammensetzung der Fantribüne war -anders als im Westfalenstadion- herrlich abgefuckt, nach dem Spiel gab es grundsätzlich irgendwelche Rennereien und Hauereien hinter der , aus Sicherheitstechnischen Aspekten völlig ungut gelegenen, Gasttribüne und von der Stimmung her konnte der RWE auch durchaus mal was reißen.

Selbst mein erstes Spiel unserer Amas sah ich in Essen. Und zwar im Essener Fanblock! Damals wie heute würde ich eher Essen als unseren Amas einen Aufstieg gönnen, jedoch gab es bei dem Spiel dann den ersten kleinen Knacks in meiner Beziehung zu den Rot-Weissen.  Einige Essener sangen doch tatsächlich gegen den BVB. War ich bis zu dem Spiel noch der Meinung der BVB wäre bei allen RWElern zumindest wohlwollend geduldet, belehrte mich dieses Spiel eines besseren und der BVB-Schal, der sonst schonmal mit zur Hafenstraße kam, blieb generell Zuhause und auch ich selber blieb bei möglichen Spielen öfter mal Zuhause.

Es war aber auch nicht mehr wirklich Zeit vorhanden viele RWE Spiele zu besuchen. Die Spiele mit dem BVB nahmen zu und wenn man gerade bei den Amas oder mit dem BVB in Stuttgart ist, kann man ja eher schlecht zeitlgleich beim RWE sein. So kam ich vielleicht pro Saison noch auf 3 RWE Spiele, welche aber auch nicht mehr ganz so spaßig waren. Die Verlegung des Gästeblocks in DEN Essener Stimmungsblock sagte mir ebenso wenig zu wie die Veränderungen in der Fanszene. So gut ich die Ultrabewegung auch generell finde, zu meinem Bild vom Oldschoolverein aus Essen wollte das nicht so recht passen. Mit der Osttribüne, auf der ehemals die Gastvereine den Ton angeben und welche seit 2005 eine von Ultras bestimmte Tribüne ist, wurde ich nie so wirklich warm. Und auf der Nordtribüne wurd es zunehmends auch ruhiger. Spätestens als die nie enden wollende Geschichte um einen möglichen Stadionneubau 2009 so konkret wurde, dass man begann die Nord teilweise abzureißen war es um die Tribüne komplett geschehen.

Dass für den Neubau schlußendlich aber wohl doch keine Kohle da ist, passt nur zu gut ins Bild vom RWE. Der Verein wird seit Jahren schlecht geführt und verkommt immer mehr zur Witzfigur. 2008 trat Thomas Strunz den leitenden Dienst beim RWE mit der Zielsetzung an, in 5 Jahren wieder 2. Liga zu spielen. Wie es jetzt aussieht, wird es wohl eher nach 2 Jahren die 5. Liga…

Der RWE kämpft aktuell ums überleben. Noch gute 2 Millionen müssen bis heute Nachmittag aufgetrieben werden, damit die Lizenz für die Regionalliga erteilt werden kann. Gelingt dies nicht, hieße das für den RWE, dass er ins Insolvenzverfahren gehen müsste und je nach Ausgang dieses Verfahren in der nächsten Saison in der 5. Liga spielt oder tatsächlich in der Kreisliga C neu starten müsste. Beides wären für den ersten deutschen Europapokalteilnehmer unwürdig, aber die Kreisliga C könnte da wirklich zum finalen Todesstoß werden.

Derzeit klappern RWE-Fans, sowie Ente Lippens und wohl auch Manni Burgsmüller die lokale Wirtschaft ab um doch noch irgendwie die Kohle beisammen zu kriegen. Mir bleibt dabei wohl nur alles Gute zu wünschen, auch wenn der Glaube daran eher gering ist. Naja, so oder so komm ich auch kommende Saison mal wieder rum an die Hafenstraße!

(Die aktuellsten News gibt es wohl erstmal hier zu erfahren: http://kurzlink.de/RWESponsorenlauf )

[Update:] Am Schluss hat der Patient den Kampf leider verloren. Das nötige Geld konnte nicht mehr aufgetrieben werden und das Schicksal vom RWE liegt  nun in den Händen der Insolvenzverwalter. Von den Blauen Viechern mal abgesehen, wird wohl jeder Fußballfan den Rot-Weissen die Daumen dafür drücken, dass sie die schwere Zeit meistern und ihr RWE von 1907 ihnen erhalten bleibt. Andernfalls würde uns allen ein bedeutendes Stück deutscher Fußballkultur fehlen.

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Kommentare
  1. VM sagt:

    Auch wenn ich mit Rot-Weiß Essen nicht wirklic hwas anfangen kann, ist es schon sehr traurig zu sehen, was aus dem Verein geworden ist.

    Gruß
    VM

    PS: Guter Text Jütty

  2. Jani sagt:

    Hier ist ja mehr los als während der Saison…

    Zum RWE muss ich wohl leider nichts sagen, alles ganz und gar nicht schön!

  3. RWErwin sagt:

    Hey!

    Danke für den Text. Schön zu wissen, dass jemand an uns denkt.

    Bis nächste Saison! Kannst auch gerne den BVB-Schal mal wieder mitbrigen 🙂

  4. […] auch Jütty von der Zone 09, hab ich mein erstes Spiel mit Borussias Amateuren an der Hafenstraße erlebt. Damals war Rot-Weiss […]

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